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Nico Stahlberg


 
 
Trainingsalltag eines Olympia-Teilnehmer
(13. Oktober 2013)

Nico Stahlberg trainiert im Moment auf die Olympischen Sommerspiele 2012. Zusammen mit seinem Club Kameraden Joel Horni.


Der Alltag eines Olympioniken                               (Foto: M. Gaccioli)


 
Stahlberg und Horni nach dem Training
Traum einen grossen Schritt näher gekommen
(14. September 2011)

Meine Sportsaison ist vor kurzem auch zu Ende gegangen und auch ich will mir jetzt noch ein paar Ferientage gönnen. Was aber nicht heisst, dass ich die vergangenen Wochen nicht genossen habe. Denn ich bin meinem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen, ich habe mir einen Traum/Vision Wirklichkeit werden lassen.

Begonnen hat es vor 5 Wochen mit dem WM-Trainingslager in Leukerbad, Eisenstemmen, Ergofahren und Wandern war der Tagesplan. Nach einer Woche in der Höhe, dann 3 Wochen an der Technik und Fitness in Sarnen gefeilt. Zum Trainingsfinale war das Schweizer Nationalteam noch 10 Tage in Frankreich, wo hart am Bootsspeed gearbeitet wurde. Immer mit dem Olympiaspirit im Hinterkopf, jeden Ruderschlag, jede Ergominute, jeden Beinstoss. Dann..........., mussten wir’s nur noch machen, der Schweizer Doppelvierer. Mindestens ein 11ter Platz wurde an der Weltmeisterschaft in Bled, Slowenien gefordert. Kein leichtes Unterfangen, bei einem Teilnehmerfeld von 20 Nationen. Aber wir hatten unsere Kilometer in den Beinen und das gab uns Selbstvertrauen.

Die Weltmeisterschaft war dann ein Horror aber ebenso auch ein Märchen. Viele emotionale Tiefs und Hochs macht man in so einer Woche durch. Eine völlig neue Erfahrung für mich, man muss sich über eine Woche konzentrieren, aber auch wieder herunterfahren können. Hat aber immer die Zahl 11 im Kopf, die das Ticket nach London bedeutet. Mehrere Stunden Arbeit kann in 6 Rennminuten zunichte gehen oder sich in ein Märchen verwandeln.

Wir haben uns für das zweite Los entschieden. Über ein paar Umwege in dieser Woche, die wir hoffentlich nächstes Jahr nicht mehr machen müssen, konnten wir mit Stolz die WM mit dem 9. Rang abschliessen.
 
Und das heisst, der Schweizer Doppelvierer, wovon ich ein Mitglied bin, hat das Ticket für London, Olympische Spiele 2012!!!! Dafür will ich allen Danken, die mir auf dem Weg bis zu diesem Ziel, in irgendeiner Weise zur Seite standen. Es sind viele kleine Puzzelsteine, die ineinander fliessen und dann ein ganzes Bild ergeben.
 
In zwei Wochen werden wir dann wieder in den alten Trainingsrhythmus einsteigen und die Vorbereitung für London in Angriff nehmen. Über viele kleine Tests werden wir unseren Platz im Doppelvierer wieder verteidigen müssen, aber das bringt uns Vorwärts.

Neue Dimensionen
(2. August 2011)

Vieles kam auf mich zu. Der Schweizer-Meistertitel im Einer, ein wahrlich geiles Rennen war es. Dann eine Woche später das gelungene Rotsee-Wochenende, wo es im Doppelvierer sogar bis ins Weltcupfinale gereicht hat.

Es waren viele neue Eindrücke, auch ein neues Gefühl. Auf einmal war man für die Medien interessant und die Erwartungen, für die Weltmeisterschaft ende August, sind nun gestiegen. Aber jetzt Schritt für Schritt.

Anfangs Juli durfte ich den begehrten Schweizer-Meistertitel im Männer Einer in Empfang nehmen. Es war der erste Titel in der Elitekategorie für mich und den Ruderclub Kreuzlingen. Um so grösser war natürlich die Freude darüber. Das Besondere an diesem Titel ist die Art, es ist der Titel der Einer klasse. Bei diesem Event kämpft Mann gegen Mann, alle Athleten sind zwischen 90kg und 100kg schwer und 1.90m bis 2.00m gross. Niemand gönnt dem Anderen nur einen Platz und hat ein Ziel, als erster über die Ziellinie.

So wurde dann am Sonntag Abend auch noch ein wenig gefeiert, aber nicht zu wild. Denn am Folgende Wochenende hiess es dann auch schon wieder Attention Gooooo!

Der Weltcup auf dem heimischen Gewässer, dem Göttersee (Rotsee) stand vor der Tür. Ich durfte also das erste mal auf dem Mekka des Rudersportes ein Weltcup bestreiten. Ein ganz besonderer Moment für einen Schweizer Ruderer. Ja und nicht nur das, unser Doppelvierer lief sogar so gut, dass wir einen der Sechs hart umkämpften Plätzen im A-Finale errudert haben. Das geschieht im Voraus über mehrere Ausscheidungsrennen, denn es werden pro Rennen nur jeweils Sechs Boote gestartet. So sind die Plätze im Finale begrenzt.
Selbst im Final konnten wir nochmals einen daraufsetzen und wurden stolze Vierter, getragen von einem genialen Publikum am Rotsee. Die Stimmung auf dem Wasser war genial, hätte man die Dezibel gemessen, müsste man wohl spezielle Sicherheitsvorkehrungen für Mensch und Gehör erlassen.
 
In drei Worten gesagt war es ein. Hammer, geiles Wochenende.
Wer diese Rennen verpasst hat, hat hier nochmals die Möglichkeit: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=6901240a-2e67-4759-a047-05b05bd595d2 zusätzlich einen Beitrag über unseren Doppelvierer: 
http://www.sport.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/07/09/Mehr-Sport/Zwei-Schweizer-Boote-im-Weltcupfinal

Somit ist unser Doppelvierer mit André Vonarburg, Florian Stofer, beide von Sempach und Jérémy Maillefer von Lausanne für die Weltmeisterschaft in Bled (Slowenien) Qualifiziert. Ich bin also meinem Traum, mittlerweile schon Ziel, viele Schritte näher gekommen.
Wir dürfen jetzt für einen der 11 begehrten Quotenplätze an den Olympischen Spiele in London kämpfen. Denn nur die ersten 11 Boote an der Weltmeisterschaft, haben das Flugticket nach London.

So kommt es, dass wir an den verschiedenen Standorten wie Leukerbad, Sarnen und Frankreich am trainieren sind. Das heisst, ich habe meine Motorsäge für fast 3 Monaten auf die Seite gelegt und mit zwei ultraleichten Kohlefaserruder getauscht. So ein Trainingslager ist nicht immer ganz einfach, man stösst oft an seine Grenzen, denn das Trainingsprogramm ist kein Eisschlecken. Aber es sind immer wieder neue Erfahrungen, aus denen man gestärkt aufsteigt.
 
Ich werde nun weiter trainieren, schlafen und essen, bis wir dann richtig schnell unterwegs sein werden. 

Viel passiert seit dem Weltcup-Rennen
(4. Juli 2011)

Viele Tage sind nach dem Weltcup vergangen, es ist auch wahrlich viel passiert. Ich hoffe ich kann das alles in Worten fassen und werde nicht zu lang.

Nach der durchzogenen Weltcupregatta in München, hatte der Verband beschlossen, ein Prioritätsboot aus den beiden schweren Booten 2x und 4x zu bauen und dieses am Weltcup Hamburg zu testen. Dieses Boot soll der 4x sein und somit weiter vorne an der Weltspitze mitmischen können, glücklicherweise konnten sich zwei  Athleten von unserem alten 4x für den neuen noch schnelleren 4x qualifizieren, einer davon bin ich. Die anderen beiden Athleten vom 4x, kommen vom lang bestehend 2x, Vonarburg/Stofer.

Ja und tatsächlich konnten wir im hohen Norden in Hamburg überzeugen, wir ruderten souverän auf den 4ten Platz, was die Weiterführung von diesem neuen Projekt bedeutet. So nun stehen wir vor dem Weltcup Luzern, der in zwei Wochen am 8.-10. Juli auf dem Rotsee stattfindet. Dieser Weltcup ist das traditionelle Finale und darum sind spannende Rennen garantiert. Alle internationalen Top Boote werden am Start sein, was eine geniale Standortbestimmung vor der Weltmeisterschaft ermöglicht. Ich freue mich sehr darauf, es ist immer wieder etwas Besonderes vor heimischem Publikum auf der Heimstrecke ein Rennen zeigen zu dürfen. 

Aber eine Woche davor (2.-3. Juli) und das darf man nicht unterschätzen, finden die Schweizermeisterschaften, ebenfalls auf dem Rotsee, statt. Ich werde dort im Einer am Start stehen und den Titelgewinn anstreben. Aber mir ist bewusst, dass das kein Eisschlecken wird. Bekannte Namen, mit denen ich schon schnelle Rennen gerudert bin, werden ebenfalls am Start stehen und gegen mich für den Titel kämpfen. Somit bin ich jetzt mitten in den Vorbereitungen und hoffe, dass ich das zeigen kann, was ich drauf habe. Dann kommt es gut. (Aber ganz ehrlich, ich bin sehr nervös. Der Einer ist immer wieder etwas spezielles, Mann gegen Mann)

Ich werde wieder berichten, sobald ich interessante Resultate zu verkünden habe.

Gut gekämpft und viel gelernt am Weltcup
(31. Mai 2011)
"Es war hart, verdammt hart, hat aber sehr Spass gemacht!" Der ganze Weltcup war eine Hochgeschwindigkeits-Achterbahn mit rasanten Anstiegen und noch schnelleren Höllenabfahrten. Wie gewohnt ist unser neues Boot gut vom Boxenstop gestartet. Die ersten Trainingsausfahrten haben vielversprochen gewirkt, tatsächlich konnten wir unser erstes Rennen mit einer Himmelfahrt beenden. Wir haben unseren Lauf gewonnen und sind gesamt dritter geworden. Wobei man dazusagen muss, dass dieses Rennen im Time Trial bestritten worden ist. Alle 30 sec wurde ein Boot auf das 2000 m lange "Schlachtfeld" losgeschickt. Kein üblicher Rennmodus aber muss auch einmal durchgespielt sein.
 
Nun ist unser Schiff oben angekommen. Und wie es die Gesetze einer Wildwasserbahn verlangen, muss es irgendwie abwärts gehen. Genau diese Stimmung lag nach dem zweiten Rennen in der Luft. Das Rennen, eine misslungene Sache und am Festland angekommen, gab es auch schon niederschmetternde Worte der Trainer. Das Boot schlängelt sich nun im Seichten Wasser seinen Weg, viele Gedanken liegen in der Luft und Zeit zum Nachdenken ergibt sich. Aber nicht lange, schon einen Tag später kam schon wieder der nächste vermeintlich lange Aufstieg. Tatsächlich konnten wir eine klare Steigerung an den Tag legen, unser Schiff mischte im Feld mit und ärgerte bekannte Namen, wie die amtierenden Olympiasieger.
 
Und die Bergfahrt ist noch nicht zu ende, am letzten Tag war der grosse Auftakt zum Final. Nicht das ganz grosse Finale (Platz 1-6) aber das kleine (Platz 7-12). Es lag nochmals eine Steigerung drin und somit der 9. Schlussrang. Jetzt müssen wir den jetzigen Zustand unserer Achterbahnfahrt bis Ende Saison halten, sogar noch steigern. Denn Platz 1-11 an der Weltmeisterschat ist startberechtigt an den Olympischen Spielen 2012 in London.

Vorbereitung auf Weltcup
(27. Mai 2011)
 
Unser Trainingslager in Italien wurde soeben traditionsgemäss mit einem Abschlussrennen abgeschlossen, in der alle Kaderboote gegeneinander  antreten. Immer wieder spannend, hier darf jeder zeigen, was man in den letzten Wochen gelernt hat. Und das haben wir wahrlich viel, unsere Trainer vom Schweizer Doppelvierer haben sich nochmals richtig ins Zeug gelegt um uns bestens vorbereitet in die bevorstehende  Saison zu schicken. Denn es geht ja in drei Tagen schon los, mit dem Weltcup München. Darauf können wir wirklich gespannt sein, starke Nationen sind am Start und wir mittendrin. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.
 
Falls ihr die Rennen mitverfolgen wollt, ist auf worldrowing.com ein livestream eingerichtet. Man kann live bei den Rennen vom Schweizer Doppelvierer dabei sein.
 
Gestartet wird am Freitag mit dem Vorlauf (12.50 Uhr), Samstag Halbfinal (15.20 Uhr) und Final am Sonntag (9.50 Uhr oder 12.50)

"Attention Go" - Willkommen Rennsaison 2011
(10. Mai 2011)

Das letzte Wocheenende durften wir, ,,der Schweizer Doppelvierer", das erste Mal in dieser Saison internationale Rennluft schnuppern. Auft dem schönen aber launischen Baldenaysee (Wellen/Wind), in Essen wurden Rennen auf höchsten Niveau ausgetragen und wir mitten drin.

Die Regatta zog sich über zwei Tage, Samstag und Sonntag. Somit hatten wir die Chance, den etwas schlechteren Einstieg am Samstag am darauffolgenden Tag zu verbessern. Wir mussten uns zum Auftakt am Samstag von alt bekannten Gegnern, den Tschechen geschlagen geben. Wurden zweite vor den jüngeren U23 Booten aus Deutschland, Spanien und Polen.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen von uns. Wiederum waren die Tschechen am Start aber zusätzlich haben die Slowenen ein sarkes Boot angekündigt. Mit dem Ruder-Monumenten Iztok Cop und Luka Spik (beide Olympiasieger im Doppelzweier an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney und Doppelzweier-Weltmeister 2007) eine gute Standortbestimmung.

Konzentriert standen wir am Start, vor uns liegend die 2000m, rechts von uns die Slowenen. Man spürte förmlich die Anspannung jedes einzelnen Athleten, in unserem und den anderen Boote. Totenstille nur der Schiedsrichter sprach: ,,Checks, Slowenia, Switzerland...... Attention Go. Das Rennen war eröffnet und das Wasser zu vergleichen mit einem brodelnden Kessel. 3 Boote ( ein voller Lauf beinhaltet in der Regel 6 Boote), 12 Leute, 24 Ruder, 1.5 Tonnen beschleunigen innert 100m auf 25 km/h.
 
Schnell konnten die Slowenen und wir uns vor die Tschechen setzen. 2km lang lieferten wir uns einen Bord an Bord kampf. Niemand gönnte dem andernen nur einen cm. Leider hatten
schlussendlich die erfahrenen Slowenen die Nase vorne und siegten mit nur 0.8 Sekunden vor uns. Wir lagen aber deutlich vor den Tschechen und haben angedeutet was in unserer jungen Mannschaft steckt.
 
Somit hat der SUI M4x wieder einen Schritt mehr in Richtung Saisonziel gemacht.
 
Es war ein guten Rennwochenende, mit guten Erfahrungen. Jetzt gilt es diese um zu setzen und weiter zu trainieren.  Denn schon in drei Wochen heisst es wieder,, Attention Go" zum ersten Weltcup in München. Aber jetzt erstmal eine Woche Trainingslager in Varese (ITA).

Ein Ruderer im Wald
(29. April 2011)
 
Es plagt mich ja schon fast das schlechte Gewissen, wenn ich erzähle, ich sei von Beruf Forstwart. Mit einer Anstellung von gerade einmal 50% bin ich hauptberuflich schon fast Ruderer, da die Freizeit doch auch viel aufs Konto des geliebten Rudersports geht. Aber es ist immer noch so, dass ich mich mit der Tätigkeit im Wald finanziell über dem Wasser halte. Darum will ich ein wenig darüber berichten.

Täglich bin ich im Wald, eine Arbeit die mir sehr gefällt. Immer mehr schaue ich es sogar als Vorteil an, gegenüber anderen Ruderern, die im Büro arbeiten. In dieser Zeit wo sie Telefonate führen und den Papierkrieg versuchen zu ordnen , habe ich schon x Tonnen Holz geschleppt. Sportlich gesehen entspricht es einer Intensität auf tiefen aber langen Niveau. Das mir im letzten Teil vom Rennen, wenn es hart auf hart kommt, den nötigen Vorsprung verleiht. An manchen Tagen, wenn es vom Himmel schüttet, als hätte Herrgott die Schleusen geöffnet, wünschte ich, ich wäre im Trocknen. Aber genau das macht es aus. Nicht von ungefähr ist der schnellste Einer-Ruderer der Welt, zwar kein Forstwart, aber ein Landwirt.
 
Dass diese etwas kompliziertere Trainingsform auch möglich ist, braucht es einen guten Chef und eine super Trainingseinrichtung. Das finde ich in der Pro Forst in Lengwil vor. Daniel Geiger, der Betriebsleiter teilt meine Arbeitszeit ein und schaut immer für eine trainingsfreundliche Beschäftigung. Auch meine Mitarbeiter schauen, dass ich zu meinem Training komme, gerne überlassen sie mir jeweils die atemraubenden Arbeiten. Genau das kombiniert mit dem täglichen Training im Kraftraum, auf dem Wasser oder in den Laufschuhen verleiht mir die nötige Fitness.

Ich danke meinem Betrieb für das Verständnis und Miteinander.

Der Test
(21. April 2011)

So, total am Ende und mit tollen neuen Erfahrungen im Gepäck bin ich Zuhause angekommen. Diese interne Ausscheidungen (Trials) von denen ich das letzte Mal geschrieben habe, waren ein voller Erfolg für mich.



Angefangen hat es mit einem Ergotest, dieser Test wird auf einem Rudergerät absolviert, der die Bewegung in einem Ruderboot simuliert. So lässt sich die Fitness eines Athletens genau bestimmen, diese ist wiederum ein wichtiger Faktor für schnelle Ruderboote. Hier konnte ich meine Bestzeit um 4sec drücken und bin eine Zeit von 6:04 min auf 2000m gefahren, was international gesehen ganz ordentlich ist. Der Ergometer ist so eine Hass/Liebe, er zeigt einem immer die Wahrheit, bei jedem schlechten oder guten Schlag. So lässt der Ehrgeiz eines Athleten keine schlechten Zeiten zu, darum wird gefahren was das Zeug hält.

Anhand von diesen Ergoresultaten sind am nächsten Tag die ersten Bootskombinationen für das Seatracing zusammengestellt worden. Ein Seatracing, wie es der Name schon sagt, ist ein Rennen um die begehrten Plätze in einem Boot. Man lässt mehrere Boote von gleicher Art gegeneinander fahren, in unserem Fall waren es Zweier, um so die schnellste Bootskombination ausfindig zu machen. Es werden wild Ruderer gegen andere Ruderer getauscht und so mehrmals die gleiche Strecke von 1250m gefahren. Es ist eine Tortur und spätestens nach dem 3 Rennen stellt man den Kopf ab und rudert. Der Keypoint ist, sich möglichst gut an den neu zugeordneten Partner anzupassen um so den bestmöglichen Rhytmus zu finden. Genau das, habe ich wohl sehr gut geschafft. Ich muss sagen, auf dem Element Wasser fühle ich mich sau wohl. So bin ich anhand der Zweierresultate in einen 4x eingeteilt worden und wie es so ist, mussten wir uns auch hier wieder der Stoppuhr vom Trainer stellen. 2x 1000m vollgas, diese sollen das Rennen über 2000m simulieren und wichtige Informationen über den Bootsspeed verraten. Auch diese Aufgabe haben wir gut gemeistert, aber es ist auch klar, dass noch viel zu tun ist. Aber wir sind zuversichtlich, mit so einem jungen Team wie wir es sind, lässt sich noch viel bewegen. Die olympischen Spiele können kommen, wir stellen uns dieser Aufgabe.

Akte T-Bonesteak
(7. April 2011)

Wie ihr vielleicht, durch die längere Pause meiner Berichte, mitbekommen habt, ist sportlich zurzeit nicht so viel los. Oder vielleicht doch? Ich habe einen langen Trainingsblock ohne Wettkämpfe hinter mir. In so einem Block komme ich schnell einmal auf 11 Trainingseinheiten oder 15 Stunden in der Woche. Dieser ermöglichte mir, den letzten Schliff für die bevorstehende Saison zu holen. Denn langsam aber sicher werden die ersten Rennen kommen, schon in zwei Wochen sind die internen Verbandsausscheidungen für die Saison. Das ist ein langer Testprozess, indem jeder einzelne Athlet in verschiedenen Bootskombinationen bis aufs Letzte ausgetestet wird. Aber mehr dazu, wenn es soweit ist.
 
Vor einer Woche musste ich mir Böses anhören lassen. Ich hatte eine ganz „angenehme“ Leistungsüberprüfung. Ich wurde mit einer Gesichtsmaske, zu vergleichen mit einer Gasmaske, an eine Maschine angehängt, diese registriert alle Reaktionen im Körper. Ich sage euch, gar kein wohltuendes Gefühl und das unter Vollbelastung. Der Grund für die Begeisterung seitens Sportarzt, war ein T-Bonesteak. Da habe ich doch blöder weise 3h vor dem Test ein deftiges Fleisch gegessen, der grösste Fehler. Dieses vermeintlich gute Stück Fleisch hat sich dann auch mit fast so guten Magenkrämpfen bemerkbar gemacht. Mmmm....
 
Ich bin euch noch das Resultat von meinem Dopingtest schuldig. Im Brief stand, ich zitiere: „Bei ihnen sind keine verbotene Substanzen im Blut“. Somit darf ich weitere Berichte verfassen und wenn es ganz gut läuft, werde ich ganz bestimmt über das Olympische Dorf und die Stimmung in London schreiben. Ich bin gespannt!

Premiere beim Engadin Skimarathon
(15. März 2011)
 
Früher sah ich mir immer den Start vom Engadin Skimarathon im Fernseher an und dachte mir, dass muss ich auch einmal erlebt haben. 12'000 Läufer, die sich alle gemeinsam auf eine 42 Kilometer Strecke begeben, mit dem Ziel das Ziel.
So und dieses Jahr habe ich es geschafft, ich war mitten im Kuchen. Es war ein gigantisches Gefühle in dieser Masse, vergleichbar mit einem Armada voller Krieger, die sich entschlossen und kraftvoll fortbewegen.
Ich beendete das Rennen in einer langsamen aber guten Zeit von 2:24 Stunden. Gut darum, weil ich das Los des Neulings hatte und weiter hinten im Feld meinen Startplatz vorfand. So musste ich mich an allen Läufern verbeikämpfen und blieb immer mal wieder in einem Stau hängen.
Aber, dass ich überhaupt den Julierpass nach St.Moritz überqueren konnte, bin ich einer Autogarage sehr dankbar. So wurde mein Auto am Samstagmorgen, währenddem ich auf dem Sarnersee trainierte, in der Autogarage Zanuco in Cham wieder auf vordermann gebracht. Sonst hätte mir diese Panne, wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich danke den fleissigen Automechaniker herzlich.

Mister mit grossen Koffern zu Besuch
(8. März 2011)

Wieder kann ich von einer sehr interessanten Woche erzählen. Angefangen hat sie ganz ruhig, mit einem morgentlichen Rudertraining auf dem heimischen Gewässer, dem Bodensee. Ja hier fühle ich mich wohl, in meinem Sportgerät, scheinbar kraftlos über das Wasser gleitend. Voller Energie und Freude über ein gelungenes Training komme ich nachhause, da erwartet mich ein Mister mit grossen Koffern. Kaum begrüsse ich ihn, da bekomme ich einen Ausweis zu sehen. Da war mir alles klar, Dopingkontrolle! Jetzt fängt es bei mir im Kopf an zu rattern, so ein Besuch ist ja nicht die Regel. Wie es zu einer Dopingkontrolle gehört, muss man eine bestimmte Menge Urin abgeben. Aber mir war natürlich gerade nicht danach. Und so musste ich nun Liter um Liter Wasser trinken, bis ich die Menge erreicht habe. So mein Teil war gemacht, jetzt warte ich auf das Ergebnis vom Labor.
Aber was ich jetzt schon mitteilen kann, sind die Ergebnisse von der letzten Leistungsüberprüfung vom Verband. Ich kann mit Recht sagen, ich bin der drittschnellste Schweizer. Auch in der Zweierkombination konnte mein Partner Jérémy von Lausanne und ich den Schnellsten vom Lande, Florian und André (www.doppelzweier.ch) so richtig einheizen. Gerade einmal 5sec. auf 6km trennten uns von den Olympiaruderern und Profisportlern. Wer weiss, vielleicht gibt es einen Doppelvierer?
Womit wir dem Ziel 2012 vieilleicht schon sehr nahe wären? Es bleibt also sehr spannend.

Nico Stahlberg auf dem Weg zu Olympia 2012 in London

Der Rudersport fasziniert, begeistert, bewegt. Bei kaum einer anderen Sportart verschmilzt Kraft, Ausdauer, Technik und Gefühl so eindrücklich zu Bewegung, Energie und Geschwindigkeit, wie beim Rudern. Die Ästhetik und Teamarbeit in den schmalen Booten fesselt den Betrachter genauso wie die Athleten. Sie macht den Rudersport einzigartig.
 
Mein persönlicher Rückblick:
 
Trainingslager in Sabaudien (ITA)
(28. Februar 11)

Jetzt habe ich zwei Wochen Trainingslager in Sabaudia (ITA) hinter mir, an einem genialen See in der Nähe vom Meer. Wir haben verschiedene Kombinationen im Einer, Doppelzweier und Doppelvierer gerudert und manchmal Trainingsrennen gegen Holländer und Österreicher gefahren. Zur Erklärung, Doppel steht für zwei Ruder, also zwei oder vier Leute mit je zwei Rudern.
Speziell war die erste Etappe des Bootstransports von Kreuzlingen nach Sarnen. Zwei Einer-Boote mit je 8 m Länge auf meinem 24 Jahren alten Auto.

So sieht es aus wenn Rudererer mit ihren Trainingsgeräten unterwegs sind

 
Erfreulich verlaufener Leistungstest
(7. Februar 2011)

Die letzte Woche widmete ich der Erholung von den swiss Rowingindoors, einem Wettkampf der in der Halle auf Rudermaschinen durchgeführt wird und der Vorbereitung auf den Langstreckentest. Erstmals war ich seit dem November wieder richtig intensiv auf dem Wasser unterwegs, ich hatte Startprobleme, fühlte mich sogar wie ein Anfänger. Bekam aber sehr schnell wieder Sicherheit und war somit top vorbereitet auf den Leistungstest über 6km, der vom Verband durchgeführt wird. Somit erreichte ich den guten 3ten Platz, bei diesem Rennen war die ganze Ruderschweiz vertreten.
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